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Zurück zu den Eltern von Peter Schembs II (1816)

Peter Schembs II (1816 - 1883)2.4.5
Peter Schembs II wurde am 11.05.1816 in Laubenheim geboren. Sein Onkel Johann Peter Schembs fungierte bei der Taufe als Pate. Auch bei seiner Zivilstandstrauung am 29.07.1842 in Laubenheim, amtierte er als Zeuge und zwar zusammen mit dem Schullehrer Anton Sutter, in dessen Haus Peter Schembs II. auch in die Schule gegangen war (siehe Anmerkung zum Sutter 'schen Haus bei Andreas Schembs). 1830 wurde Peter Schembs mit 14 Jahren konfirmiert.

geburtsurkunde Peter Schembs 1816
Geburtsurkunde Peter Schembs II, Laubenheim 1816
Peter Schembs II heiratete am 06.03.1803 Catharina Dexheimer (1813, +24.06.1872). Seine Frau Catharina Dexheimer stammte aus Schafhausen bei Alzey.
Peter Schembs II starb am 06.06.1883 in Laubenheim. In der Heiratsurkunde von Peter Schembs II. wird Tagelöhner als Beruf angegeben. Wo er in Laubenheim wohnte ist nicht bekannt.
1816, im Geburtsjahr von Peter Schembs II, kam Laubenheim, das damals 510 Einwohner zählte, aufgrund der Vereinbarungen des Wiener Kongresses (1815) zwischen Österreich, Preußen und Hessen, zum Großherzogtum Hessen. Vorausgegangen waren die sog. Befreiungskriege (1812‑1813), die mit der Völkerschlacht bei Leipzig und dem Sieg über die Truppen Napoleons endeten. 16 Jahre französischer Herrschaft gingen damit zu Ende. Laubenheim blieb von da an bis in unsere heutige Zeit hessisch. Die Zugehörigkeit zu Hessen endete erst mit der Gründung von Rheinland-Pfalz im Jahr 1947.

gemaelde 1856
Gemälde von Laubenheim um 1856
Aus dem Jahr 1816 ist in Laubenheim eine Hochwasserkatastrophe überliefert. Die Großherzogliche hessische Regierung baute den unzureichenden Rheindamm daraufhin 1822 zum Hauptdamm aus, was aber nicht verhinderte, dass es 1824, 1851 und 1882 nochmals zu Hochwasserkatastrophen kam.

1826 war die Einwohnerzahl in Laubenheim auf ca. 750 angewachsen. In Mainz lag die Einwohnerzahl damals bei 30.000. Der Ortskern von Laubenheim lag immer noch am Hang. Das östlichste Gebäude überhaupt war der Mainzer Hof, ein ehemaliger Herrenhof. Die letzten Schäden aus der Franzosenzeit, insbesondere an Kirche und Schulgebäude, konnten erst nach Jahren behoben werden. Erst in den vierziger Jahren übersprang Laubenheim dann seine alte Dorfgrenze. Aus dieser Zeit stammt auch die sog. Schott'sche Villa, in der 1862 Richard Wagner übernachtete. Im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie Mainz - Worms 1846 - 1853 (bis 1869 eingleisig) entstanden von der heutigen Hans-Zöller-Straße aus 3 Stichstraßen (Talstraßen) mit kleinen Arbeiterwohnsiedlungen. Später folgten Häuser entlang der heutigen Oppenheimer Straße (alte B 9). Dort siedelte sich auch 1857 die heute noch bestehende Firma Pelzer an. Auch der Gemeindepark bestand bereits. 1850 wurde in Laubenheim die Firma Kupferberg Sektkellerei gegründet, die heute ihren Sitz in Mainz hat.

Neben vielen wichtigen politischen Ereignissen, z.B. deutsche Revolution, die 1848 zur Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche und zu einer deutschen Verfassung führte, Hambacher Fest usw. schritt auch die technische Entwicklung rasch voran:
  • Erfindung Dynamo und Elektromotor, ein Meilenstein zur Nutzung der Elektrizität (1831)
  • Erste Schreibmaschine mit Typenhebeln (1832 )
  • Erfindung der ersten Glühbirne, welche aber erst 1878 von Thomas Edison zur Brauchbarkeit verbessert wurde (1834)
  • Erste Eisenbahn in Deutschland zwischen Nürnberg und Fürth (1835)
  • Erfindung der Fotografie durch Daguerre (1837)
  • Erste Narkose bei Operationen durch Einatmen von Äther (1846)
  • Semmelweiß besiegt das gefürchtete Kindbettfieber (1847)
  • In Bayern erscheint die erste deutsche Briefmarke (1849)

Berühmte Zeitgenossen von Peter Schembs II. waren zum Beispiel:
 
Abraham Lincoln (1809-1865) Otto von Bismarck (1815-1898)
Robert Schumann (1810-1856) Frederic Chopin (1810-1849)
Franz Liszt (1811-1886) Guiseppe Verdi (1813-l9ol)
Richard Wagner (1813-1883) Werner von Siemens (1816-1892)
Carl Zeiss (1816-1888) Karl Marx (1818-1883)
Dostojewski (1821-1881)


Kinder: (3)
Johann Schembs IV (*11.07.1845 Laubenheim +23.02.1913)2.4.5/1
Johann Schembs IV war zweimal verheiratet. Am 07.05.1878 heiratete er Christine Hoß (1852-1892). Nach dem Tod seiner Frau Christine 1892 heiratete er noch einmal am 13.05.1894 und zwar Christine "Chrischtene" Rüger verwitwete Bitz (1857-1939). Von Beruf war Johann Schembs Winzer. Er soll auch Gemeinderatsmitglied und Gemeindeeinnehmer gewesen sein.

Kinder: (4)  davon zwei aus erster Ehe und zwei aus zweiter Ehe
4.1.....Maria Anna Schembs (*01.04.1879 Laubenheim)
hochzeit maria anna maria anna mit sohn
Hochzeitsbild Maria Anna und Jakob Stenner III Maria Anna mit Sohn Hans Stenner
Maria Anna Schembs wohnte im Elternhaus in Laubenheim Im Dorfgraben; das Haus wurde später von der Familie Heuberger bewohnt.
Sie war verheiratet mit dem Küfer Jakob Stenner III..

Kinder: (1)
1.1.....Hans Stenner
hans stenner
Hans Stenner
Hans Stenner war verheiratet mit der Tochter des Laubenheimer Lehrers Enders Anna Enders. Hans Stenner war nach bestandener Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst zunächst bei der Kreisverwaltung, danach bei der Stadtverwaltung in Mainz in der Verwaltung tätig.
Er fiel früh im zweiten Weltkrieg.

Die Familie wohnte in Laubenheim im Elternhaus von Anna Enders im Riedweg.

Kinder: (2)
2.1.....Hans Jakob Stenner (*1938)
2.2.....Hiltrud Barbara Stenner (*1940)
Barbara Stenner ist verheiratet mit Klaus Hinnenberg (*1940). Die Familie wohnt im Elternhaus von Barbara Stenner im Riedweg.

Kinder: (2)
2.1.....Barbara Hinnenberg (*1967)
2.2.....Christian Hinnenberg (*1971)

4.2.....Peter Schembs VI (*29.05.1880, +04.02.1950 Laubenheim)
Peter Schembs VI war verheiratet mit Magdalena Stenner (*21.04.1883 +14.06.1941). Von Beruf war er Postschaffner und später Briefträger.

Peter Schembs VI. wohnte in der Rheinstraße (neben Haus von Willy Mohr). Schräg gegenüber wohnte sein Onkel Peter Schembs III, der auch sein Taufpate war. Die gesamte Linie, insbesondere aber Peter Schembs VI. selbst, musste viele schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Im Alter von 12 Jahren verlor Peter Schembs VI. seine Mutter. Sein Bruder Wilhelm starb als junger Mann im ersten Weltkrieg. Seine Schwester Catharina wurde ebenfalls nur 17 Jahre alt. Auch die Kinder von Peter Schembs wurden nicht alt.

peter vi mit familie
Peter Schembs VI, Magdalena Stenner, Elisabeth Schembs, Wilhelm Schembs
Sein Sohn Wilhelm, zu dem Peter Schembs ein inniges Verhältnis hatte und den er besonders liebte, starb im zweiten Weltkrieg im Alter von 22 Jahren.
Peter Schembs VI. wurde in die Bürgermeisterei bestellt, wo man ihm die Nachricht überbrachte, dass Wilhelm im Krieg gefallen ist. Peter Schembs muss in diesem Moment in einem furchtbaren Zustand gewesen sein. Es wird berichtet, dass man ihm schon von weitem ansah, dass etwas furchtbares passiert sein musste und dass er von da an ein gebrochener Mann war. 3 Jahre später kam auch noch Tochter Elisabeth um. Sie starb ebenfalls im zweiten Weltkrieg im Alter von 36 Jahren, wobei auch noch das Enkelkind ums Leben kam. Peter Schembs VI. war nach mündlicher Überlieferung ein zwar ruhiger, aber aufgeschlossener, gutmütiger und humorvoller Typ, mit dem man gut auskam.

Kinder: (2)
2.1.....Elisabeth "Else" Schembs (*13.01.1909, +1945)
Elisabeth Schembs heiratete am 02.05.1931 Johann M. Knab, Gau-Bischofsheim. Johann Knab hatte in Mainz in der Flachsmarktstraße ein gutgehendes Büromaschinengeschäft, welches nach dem Krieg in der Augustinerstraße durch den Sohn "Hans Knab" weitergeführt wurde.

elisabeth und johann knab elisabeth knab
Elisabeth Schembs und Ehemann Johann M. Knab Elisabeth Knab
Elisabeth Schembs starb am 22.07.1945 zusammen mit ihrem Kind Günther Knab bei einem Fliegerangriff in Mainz im Bürohandelsgeschäft ihres Mannes in der
familiengrab peter
Familiengrab der Familie Peter Schembs
in Laubenheim
Flachsmarktstraße. Es wird berichtet, dass Elisabeth im Gegensatz zu ihrem Mann eher spröde, zurückgezogen und zurückhaltend war. Auch machte ihre übertriebene Eifersucht der Ehe zu schaffen. Ihr Ehemann wird dagegegen als sehr lebenslustiger, gutmütiger und weltoffener Mann beschrieben, der gerne ausging. Er war auch ein guter Musiker und spielte mit seiner Trompete auf der Tanzmusik. Anna Stenner geborene Enders berichtete, dass sie Johann Knab oft zu Sonntagsausflügen nach Ginsheim mitnahm. Die Überfahrt über den Rhein erfolgte mit einem einfachen Fischernachen. Johann Knab gab dem Fährmann auf der gegenüberliegenden Rheinseite mit den Händen Zeichen und er holte dann die beiden in Laubenheim ab. Anna Stenner hatte immer Angst, weil der Nachen so schaukelte. Nach Einkehr in Ginsheim gings dann abends wieder auf dem gleichen Weg über den Rhein nach Laubenheim zurück.

Kinder: (3)
3.1.....Hans Knab (*1933)
Hans Knab war verheiratet mit Rita Gläser aus Zornheim.

hans knab
Hans Knab (Kinderbild, ca. 1941)
Hans Knab wohnt heute in der Rheintalstraße in Laubenheim. Den Tod seiner Mutter und seines Bruders hat Hans Knab als Kind tragisch erlebt. Zur Zeit des Fliegerangriffs auf Mainz war er mit seinem Fahrrad in Bodenheim unterwegs, um bei einem Schlachtfest Wurst und Wurstsuppe zu holen. Als er mit seinem Fahrrad und seinem Kännchen mit der Wurstsuppe in Mainz ankam, lag das Elternhaus in der Augustinterstraße in Trümmern, Mutter und Bruder waren tod.

Kinder: (4)
4.1.....Petra Knab
4.2.....Cornelia Knab
4.3.....Ute Knab
4.4.....Sabine Knab

3.2.....Günther Knab (+1945)
guenther knab
Günther Knab
Günther Knab hatte als Vierjähriger einen schweren Verkehrsunfall. Er wurde vor dem Schreibwarengeschäft seiner Eltern in der Augustinerstraße in Mainz von einer Straßenbahn überfahren und verlor ein Bein. 1945 kam er zusammen mit seiner Mutter bei einem Bombenangriff auf das Haus seiner Eltern in der Augustinerstraße ums Leben.

3.3.....Ruth Knab
Stiefschwester aus zweiter Ehe von J. Knab. Sie lebt in Bodenheim.

2.2.....Wilhelm "Willi" Peter Schembs (*11.06.1920, +19.07.1942)
Wilhelm Peter Schembs fiel am 19.07.1942 im zweiten Weltkrieg in der Ukraine als Soldat. Er ist im Sammelfriedhof in Charkow/Ukraine bestattet (Block 10, Reihe 47, Grab 5572).

Ein Bild von ihm befindet sich auch auf der Gedenktafel für die Opfer des zweiten Weltkriegs in der Gemeindeverwaltung Laubenheim.
willi schembs willi zweiten weltkrieg
Wilhelm "Willi" Schembs Totenblatt von Will Schembs
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Du schriebst uns stets in Deinen Briefen
Auf baldig frohes Wiedersehn,
Vom Schicksal war Dir nicht beschieden
Die Heimat noch einmal zu sehn.
Die Trennungsstunde schlug zu früh,
Doch Gott der Herr bestimmte sie.
Wir können Dir nun nichts mehr bieten,
Nicht mehr Dein liebes Herz erfreuen,
Ja nicht mal eine Handvoll Blüten
Aufs schlichte Heldengrab Dir streuen.
Drum nimm als letzte Dankesgabe
Die Worte, die uns liebe Pflicht,
Und schlummere sanft im kühlen Grabe
Denn wir vergessen Deiner nicht.
Ach, es ist ja kaum zu fassen,
Daß Du kehrst nie mehr zurück,
So jung mußt Du Dein Leben lassen,
Zerstört ist unser aller Glück,
Und jeder, der Dich hat gekannt
Und auch Dein gutes Herz,
Der drückt uns nur noch stumm die Hand
In diesem tiefen Schmerz.
Du gutes Herz ruh still in Frieden,
Ewig beweint von Deinen Lieben.


Abschiedsgedicht auf der Rückseite
des Totenblatts für Willi Schembs


Das Elternhaus von Willi Schembs lag in der Rheinstraße in Laubenheim. Im Haus gegenüber wohnte Franz Schembs mit seinen Eltern Anton Schembs und Christina geborene Lemb. Die spätere Ehefrau von Franz Schembs, Rosel Schembs geborene Knab, erinnert sich noch gut an die Kinderzeit im Haus von Willi Schembs. Als Kind spielte sie dort oft mit Willi Schembs. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr, wie sie mit Willi Schembs "Gottesdienst" spielte. Die Familie von Willi Schembs war sehr fromm. Willi hatte von seinen Eltern einen richtigen kleinen Holzaltar zum Geschenk bekommen, mit dem andächtig gespielt wurde. Willi spielte den Priester, Rosel Messdiener. Hierfür wurde der Altar immer schön mit Blumen geschmückt und dann "Messe" gehalten.

4.3.....Wilhelm Schembs (*03.05.1897, +24.03.1918 Frankreich)
Wilhelm Schembs fiel im ersten Weltkrieg am 24.03.1918 in Frankreich.

4.4.....Catharina Schembs (*22.12.1900, +30.06.1918)

Peter Schembs III (*31.08.1850 +06.11.1903)2.4.5/2
Peter Schembs III. (Spitzname: "Ohrche"), wurde am 31.08.1850 in Laubenheim geboren. Pate bei seiner Geburt war Peter Schembs, halbwüchsiger Sohn des Onkels Anton Schembs. Von Beruf war Peter Schembs III Ackersmann. Am 19.10.1883 heiratete er Theresia Berz (1860-1927) aus Zornheim, mit der er 9 Kinder hatte.

geburtsurkunde heiratsurkunde peter
   
Sein bedeutsamstes Merkmal dürfte die überlieferte stolze Größe von 2.10 m gewesen sein. Ein weiteres Merkmal war ein lädiertes Ohr, dem er seinen Spitznamen "Ohrche" verdankt. Nach mündlicher Überlieferung wurde ihm von einem Pferd ein Ohr ganz oder teilweise abgebissen, was zu dem Spitznamen in der Verkleinerungsform "Ohrche" führte. Auch die Söhne von Peter Schembs III waren überwiegend von großer Gestalt.

peter und theresia peter und theresia
Peter Schembs III Theresia Berz
Peter Schembs III. dürfte kaum über Vermögen verfügt haben. Er lebte sicher eher in bescheidenen Verhältnissen. Dennoch gelang es ihm immerhin, sich in der Rheinstraße ein kleines Häuschen zu bauen bzw. zu erwerben. Auch hatte er mündlicher Überlieferung zufolge einen kleinen Viehbestand (ein Pferd und eine Kuh, von der er Milch verkaufte). Das Pferd wurde im I. Weltkrieg zum Kriegsdienst "eingezogen". Peter Schembs III. starb relativ jung (1903) mit 53 Jahren. Nach mündlicher Überlieferung soll er am Tisch tot umgefallen sein, was auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hindeutet.

Die Schule befand sich im Kindesalter von Peter Schembs III. immer noch im heutigen katholische Pfarrhaus bei der Kirche (Wiederaufbau auf dem Gelände des ehemaligen 1794 zerstörten Schulgebäudes). Ein Jahr nach der Geburt von Peter Schembs III., 1851, suchte eine große Überschwemmung Laubenheim heim. Noch schlimmer kam es 1882 - 1883, als das Hochwasser sogar über den Bahndamm bis zum Marktplatz reichte und zahlreiche Häuser zum Einsturz brachte.

hochwasser 1883
Hochwasser 1883, Hauptstraße
(frühere Mainzer jetzt Oppenheimer Straße)
hochwasser 1883 B
 
Zwar war 1870 zur Entwässerung des Unterfeldes (besonders Riedgebiet), welches jährlich durch angestautes Oberflächenwasser und einsickerndes Grundwasser überflutet wurde, ein Leitgraben gebaut, der durch ein Schleusentor bei Weisenau abgesichert wurde.Bei erhöhtem Wasserstand, der ein natürliches Abfließen in den Rhein verhinderte, wurde das Wasser durch eine Wassermaschine über den Damm in den Rhein gepumpt. Diese Maßnahme konnte aber die Katastrophe von 1883, als der damals 6 Meter hohe Damm brach, nicht verhindern. Der Damm wurde daraufhin 1895/1896 nochmals verstärkt.

Von Peter Schembs III ist folgende Anekdote überliefert:
Wie schon berichtet, war Peter Schembs III von riesiger Gestalt. Zur Zeit von Peter Schembs III gab es in Mainz noch 30 Bierbrauereien. Eine davon war die "Rheinische Brauerei" in der Wormser Straße in Weisenau (1865-1912). Das imposante Gebäude mit den großen Kellern in der Nähe des Zementwerkes existiert heute noch. Zum Kühlen brauchte man damals Eis, denn Kühlschränke gab es noch nicht. Das Eis wurde aus den Weihern der Umgebung herangeschafft und an Ort und Stelle mit Sägen in große Stücke geschnitten. Pferdefuhrwerke transportierten es dann in die "Rheinische" Zu der Arbeit von Peter Schembs III gehörte es auch, solche Transporte nach Weisenau durchzuführen. Das Eis wurde in den Wintermonaten aus den zahlreichen Weihern im Laubenheimer Ried, den sogenannten "Backsteinlöchern" (Lehmgruben der ehemals dort ansässigen Backsteinfabrik) entnommen. Bei einem dieser Transporte sich einmal ein Vorwitziger vorgedrängt haben, worauf ihn das "Ohrche" freischwebend in die Luft gehoben und in den Karren zum Eis gesetzt haben soll.

feuerbrigade
Aus einem Verzeichnis der Freiwilligen Feuerwehr und Hilfsmannschaft der Gemeinde Laubenheim aus dem Jahr 1894 geht hervor, dass Peter Schembs III. mit seinem Pferdegespann auch für die Feuerwehr in Laubenheim tätig war.

Der Eintrag dazu lautete wie folgt:
"Die erforderlichen Meldungen erfolgen nach Übereinkunft per Telegraph.
Als Feuerreiter sind bestellt:
......Peter Schembs III., nach Weisenau"


der eintrag
Die Ausdehnung Laubenheims schritt 1870 weiter zügig voran. Zunächst entstanden etliche Häuser an der "Hauptstraße" (alte B 9 - heutige Oppenheimer Straße -)

Später folgten jenseits der Bahnlinie erste Bauten im Unterfeld, vor allem Wirtschaftsgebäude wie Scheunen, Ziegeleien, Gärtnereien. Um l9oo wurden trotz der immer noch bestehenden Hochwassergefahr die ersten Häuser in der Rheinstraße (heute Rheintalstraße) gebaut. 1904 folgte dann der Bau der Ludwig-Marx-Straße.

feuerwehruebung
Feuerwehrübung in der Hauptstraße
(frühere Oppenheimer Straße) um 1905
Das kleine Häuschen in der Rheinstraße Nr. 13, das von Peter Schembs III. damals gebaut oder erworben wurde und das der Familie bis 1966 als Wohnung diente, dürfte in dieser Zeit entstanden sein.

1870/1871 war Laubenhelm wieder einmal von Kriegsereignissen betroffen. Im deutsch-französischen Krieg erlebte der Ort mehrfach Einquartierungen und Truppendurchzüge. 29 Laubenheimer Bürger waren im Kriegsdienst, davon fielen 2. Da Peter Schembs III. damals im besten wehrfähigen Alter war, dürfte er auch zum Kriegsdienst eingezogen worden sein, falls man überhaupt Stiefel für seine riesigen Füße fand. Zur Erinnerung an den Feldzug von 1870 - 1871 wurde später auf dem Marktplatz ein Kriegerdenkmal errichtet, welches aber schon lange nicht mehr existiert.

Zu Lebzeiten von Peter Schembs III. gab es eine Unzahl von Tüftlern und Erfindern, die die Welt veränderten. Das Industriezeitalter wurde durch eine technische Revolution eingeläutet. Alle wichtigen Erfindungen unseres Jahrhunderts, wie z.B. das Fahrrad, Auto, Flugzeug, Telefon, Radio, Plattenspieler, Fernsehen, Fotografie, Film usw. nahmen ihre allerersten Anfänge in dieser Zeit.
kirche vor umbau
Laubenheim um 1900 mit Kirche vor Umbau
Kinder: (9)
9.1.....Margaretha Schembs (*20.01.1885 Laubenheim, +ca. 1918)
Margaretha Schembs heiratete am 15.01.1911 Alois Schmitt (1882-1964). Alois Schmitt war von Beruf Bauer. Nach dem frühen Tod von Margaretha Schembs heiratete er später in zweiter Ehe eine geborene Heck.
margaretha schembs alois schmitt margaretha mit rose
Margaretha Schembs Alois Schmitt Margaretha Schembs mit Tochter Rose
rosel schmitt 1918 pferdegespann
Rosel Schmitt
(mit 3 Jahren, 1918)
Alois Schmitt mit seinem Pferdegespann
Kinder: (1)
1.1.....Therese Katharina "Rosel" Schmitt (*30.12.1914, +16.01.1971)
Rosel Schmitt war zweimal verheiratet. In erster Ehe heiratete sie Hans Fell, Bodenheim. Dieser verstarb nach dem Krieg an den Folgen einer Kriegsverletzung. Rosel Schmitt heiratete dann in zweiter Ehe den Bauern David Fell, den Bruder von Hans Fell. Entscheidend hierfür waren wohl in erster Linie "Versorgungsgründe".
david und rosel familienbild fell
David Fell
und Rosel Schmitt
Familienbild vor der alten Schule Laubenheim
(ganz rechts: Rosel Schmitt und David Fell)
Kinder: (1)
1.1.....Hiltrud Fell (*1952)
Hiltrud Fell ist verheiratet mit Franz Peter Kerz (*1950). Die Familie wohnt in Bodenheim in der Albansstraße.

Kinder: (2)
2.1.....Kathrin Kerz (*1986)
2.2.....Heiko Kerz (*1986)

9.2.....Anna Maria Schembs (*12.09.1886 Laubenheim +22.10.1940)
Anna Maria Schembs heiratete am 27.10.1912 Josef Walter (1881). Anna Maria Schembs, die mit ihrer Familie in Laubenheim An der Tuchbleiche wohnte, fuhr nach mündlicher Überlieferung in Laubenheim mit einem kleinen Wägelchen Milch aus. Ihr Mann starb früh. Auch die beiden Söhne Josef und Toni wurden nicht alt. Beide starben im zweiten Weltkrieg. Bilder von ihnen hängen an der Gedenktafel für die Opfer des Krieges in der Gemeindeverwaltung.

Kinder: (2)
2.1.....Josef Walter (*14.11.1916)
Josef Walter starb im zweiten Weltkrieg als Soldat.

2.2.....Toni Walter (*01.11.1920)
Toni Walter starb ebenfalls als Soldat im zweiten Weltkrieg.

9.3.....Peter Franz Schembs (*24.02.1888 +15.12.1974)
Peter Franz Schembs war verheiratet mit Katharina Schaubruch aus Weisenau.

Peter Franz Schembs wurde auch "Peterchen" genannt, aber auch der Spitzname "Ohrche" (wie sein Vater) ist von ihm überliefert. Er lebte mit seiner Familie in Laubenheim in einem der Gemeindehäuser im Dorfgraben.

Familie Peter Franz
Peter Franz Schembs
mit Frau und Kindern Therese und Helene
Peter Franz Schembs war lange Jahre Wingertschütz in Laubenheim und hatte die für viele Schembse typische große Statur und die dazugehörigen großen Füße. Von ihm wird erzählt, dass er schon mal gerne bei einem guten Glas Wein übertrieb. Wenn er in der Wirtschaft war, wurde immer wieder über die Geschichte von den Schembsen mit ihren großen Füßen im Himmel gelacht. Petrus habe beim Anblick eines Schembs, der in den Himmel wollte, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und ausgerufen: Um Himmels Willen, schon wieder ein Schembs. Schnell die Engelchen unter die Glocke. Die Schembse mit ihren großen Füßen kommen und treten mir alles kaputt. Auch wenn er erzählte, wie er als Wingertsschütz den Weisenauern nach ist und sie gejagt hat, erntete er Heiterkeit, denn auch diese Geschichten bei einem Glas Wein waren manchmal wohl etwas übertrieben.
Peter Schembs war insbesondere durch seine Tätigkeit als Weinbergschütz in Laubenheim im Ort überall bekannt. Er ist sogar in Laubenheim in Form eines nach ihm benannten Getränks verewigt. Noch heute kann man in den alten Laubenheimer Wirtschaften nämlich ein "Peterchen" bestellen, einen von ihm kreierten gespritzten Wein mit einem Schuss Wasser.

Kinder: (3)
3.1.....Therese Schembs (*14.04.1914 +02.10.1996)
Theresia Schembs heiratete am 08.09.1933 Friedrich Markloff.

Kinder: (2)
2.1.....Therese Markloff (*1934)
Theresia Markloff ist verheiratet mit "Schinsheimer".

Kinder: (1)
1.1.....Birgit Schinsheimer (Mainz)

2.2.....Hildegard Markloff (*1938)

3.2.....Maria Schembs
Maria Schembs war verheiratet mit "Anstatt", Mainz.

Kinder: (1)
1.1.....Horst Anstatt (Mainz)

3.3.....Helene Schembs (*18.11.1920, +19.06.2012)
helene und alois
Helene Schembs
und Alois Windisch
adelbert leiner herta windisch
Adelbert Leiner Herta Windisch
geschwister leiner
Geschwister Jutta, Alexander und Insa Leiner
Am 20.09.1947 heiratet sie Alois Windisch. Der Ehemann Alois Windisch stammte aus Bayern.

Kinder: (1)
1.1.....Herta Windisch (1948)
Herta Windisch ist verheiratet mit Adelbert Leiner aus Ostfriesland.
Herta Windisch ist gelernte Friseurmeisterin.

Kinder: (3)
3.1.....Jutta Leiner
Jutta Leiner heiratete am 22.09.2001 Jürgen Köble.
Sie hat Betriebswirtschaft studiert und ist in Frankfurt in einer Unternehmensberatung tätig.

Kinder: (2)
2.1.....Sophie Köble
2.2.....Louisa Köble

3.2.....Axel Leiner
Axel Leiner hat eine Lehre bei der Deutschen Telekom absolviert und studiert in Worms Informatik.

3.3.....Insa Leiner
Insa Leiner ist verheiratet mit Matthias.

Kinder: (1)
1.1.....Feline

9.4.....Katharina Schembs (*06.11.1889 +1985)
Katharina Schembs war verheiratet mit Jakob Kneip, Mainz.

Katharina Schembs war mit dem Gärtner Jakob Kneip verheiratet. Eine Zeitlang führten sie die Gärtnerei Hofmann (später Töpel/Delle) an der Tuchbleiche. Später zog sie mit ihrem Mann nach Mainz und starb wie ihr Mann hochbetagt ca. 85-jährig im Altersheim.
tante katherinchen katharina und jakob
Katharina Schembs
(Tante Katherinchen)
Katharina Schembs
und Jakob Kneip
Kinder: (4)
4.1.....Pankraz Kneip
4.2.....Otto Kneip
4.3.....Karl Kneip
4.4.....Georg Kneip

9.5.....Johann Peter Schembs (*10.07.1891 +07.03.1892)
9.6.....Maria Theresia Schembs (*08.05.1894)
Sie war verheiratet mit Johann Marbeck.

maria mit sohn maria theresia
Maria Theresia Schembs (Tante Marie) und Sohn Martia Theresia Schembs
Maria Theresia Schembs wohnte in der hinteren Talstraße. Es wird von ihr erzählt, dass sie sehr gutmütig war. Später fiel sie auch wegen ihrer Leibesfülle auf. Wenn ihre Unterhosen auf der Wäscheleine waren, sollen sie so breit wie eine Fahne gewesen sein.

Kinder: (1)
1.1.....Johann Marbeck (*1920)
Johann Marbeck war verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos.

9.7.....Anton Schembs (1895-1941)
Anton Schembs wurde am 28.11.1895 in Laubenheim geboren. Taufpatin bei der Geburt war Maria Theresia Hoß. Am 11.2.1921 heiratete er Christina Margareta Lemb (1898-1964) aus Hechtsheim.
anton schembs dina lemb
Anton Schembs Christina (Dina) Lemb
Anton Schembs starb am 25.4.1941 im II. Weltkrieg in Heidelberg. Er hatte schon zuvor eine etwas angeschlagene Gesundheit, vor allem nachdem er sich in einem Bunker eine schwere Erkältung zugezogen hatte. Diese führte zu einer Lungenentzündung, an der er 1941, erst 46-jährig, in einem Heidelberger Lazarett starb.

Anton Schembs war Arbeiter und arbeitete hauptsächlich als Tagelöhner für die früher in Laubenheim noch zahlreich vorhandenen Winzer und Bauern. Nachdem er einen Schweißkurs absolviert hatte, arbeitete er später als Arbeiter bei der Firma Opel in Rüsselsheim. 1928 bis 1933 war er arbeitslos und musste sich wieder mit Gelegenheitsarbeiten herumschlagen.

Anton Schembs wohnte als Kind mit seinen Eltern und den Geschwistern in dem Haus seines Vaters in der Rheinstraße Nr. 13 in Laubenheim. Als junger Mann wohnte er dann für einige Jahre in Miete, zunächst in der Ludwig-Marx-Straße (früher Judengasse genannt) bei der Familie Meyer, später im Haus von Peter Blank, im Riedweg. 1927, nach dem Tode seiner Mutter, übernahm Anton Schembs das Elternhaus in der Rheinstraße Nr. 13 infolge einer Erbregelung zwischen den Geschwistern. Außerdem erhielt er noch einen kleinen Acker hinter dem Damm. Für die Übernahme des Elternhauses musste Anton Schembs seine Geschwister auszahlen (5.ooo RM), was ihn jahrelang hoch verschuldete, da er erst 1933, als er wieder Arbeit bekommen hatte, mit dem Abzahlen richtig anfangen konnte. Vorher musste er mit 13 Mark Arbeitslosenunterstützung in der Woche auskommen. Das Haus war noch nach dem Tode von Anton Schembs mit Schulden belastet. Die Schulden wurden dann durch den Sohn Franz Schembs endgültig abgezahlt. Noch 1970 war im Grundbuch von Mainz eine Briefhypothek in Höhe von 1.700 Goldmark zugunsten der Bezirkssparkasse Mainz eingetragen, die erst beim Verkauf des Hauses durch den Sohn Franz Schembs im Jahre 1970 auf Antrag gelöscht wurde.
geburtseintrag anton heiratseintrag
Geburtsurkunde Anton Schembs 1895 Heiratsurkunde Anton Schembs 1921
Auch Anton Schembs hatte noch etwas Vieh, so dass die Familie auch in den schlechten Zeiten kaum Hunger leiden musste. Neben Hühnern, Enten und Hasen gab es fast immer auch noch 3 Schweine, von denen jeweils 2 verkauft wurden. Zeitweise stand auch ein Pferd zur Pflege im Stall.
anton mit geschwister volksschule
Anton Schembs, links mit Geschwister Maria und Joseph Volksschule Laubenheim, erbaut 1903
Für Laubenheim bedeutsam war in dieser Zeit vor allem der Schulneubau im Jahre 1903, in die auch Anton Schembs noch in die Schule ging.

Den Kindergarten hatte Anton Schembs noch im "Braunwart 'schen Anwesen" (Am alten Spritzenhaus) besucht. 1905 zählte Laubenheim 1.676 Einwohner. Die Einwohnerzahl hatte sich also in den letzten loo Jahren mehr als verdreifacht. Für Laubenheim war im übrigen die Einführung einer öffentlichen Wasserversorgung (1905) und der Elektrizität (1914) von Bedeutung.

kirche 1910
Ortsbild Laubenheim mit Kirche nach Umbau, ca. 1910
Für das Vereinsleben in Laubenheim war 1921 die Errichtung eines Fußballplatzes auf dem Gelände der ehemaligen Backsteinfabrik (Schubertstraße/Alexander Fleming-Straße) sowie 1925 die Errichtung eines Turnplatzes in der Rheinstraße (heute Rheintalstraße, Standort des jetzigen HL-Marktes) von Bedeutung. Die Vereinsgelände standen danach jahrzehntelang den Laubenheimern zur Verfügung. Sie verschwanden erst mit der Errichtung des Sportzentrums im Ried im Jahr 1983 und sind heute bebaut.

christina und anton
Christina Schembs geb. Lemb
und Anton Schembs (ca. 1940)
Anton Schembs war nach mündlicher Überlieferung des Sohnes Franz ein hagerer, ruhiger, 1.82 m großer, zurückhaltender, gutmütiger und arbeitsamer Mann. Eine der wenigen Freuden dürfte das Radfahren gewesen sein, denn er war begeisterter Radfahrer und wohl eines der ersten Mitglieder des Laubenheimer Radfahrervereins. Oft standen Fahrräder des Vereins, die normale im Vereinslokal zur Goldnen Ente standen, bei ihm Zuhause in der Rheinstraße in der Werkstatt zur Reparatur.

Die Ehefrau von Anton Schembs "Dina" , die als ruhig, bescheiden und gutmütig beschrieben wurde, lebte im Haushalt des Sohnes Franz bis zu ihrem Tod im Jahr 1964. Nach dem Krieg wohnte sie für einige Zeit bei Heubergers in der Mainzer Straße in Miete. Sie wurde 66 Jahre alt.
christina mit herbert grabstein von anton
Christina Lemb
mit Enkel Herbert (ca. 1950)
Grabstein von Anton Schembs
mit Urenkelchen Katharina











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